Elterntipps:

Aufsatz zum Thema "Null Bock auf Hausaufgaben" oder
"Wie Kinder lernen, ihre Hausaufgaben zu erledigen"

von Rolf Garbin, Dipl. Päd. Lizenzierter Triple P Trainer für Einzelberatung und Gruppentraining

Ein Erstklässler erzählt mir auf meine Frage, wer denn die Hausaufgaben gemacht habe ganz stolz: „Die erste Hälfte hat Mama geschrieben, die anderen Zeilen hier hat meine Freundin geschrieben und die letzte Zeile stammt von mir.“

Fallbeispiel 1:
Eine Mutter, deren Tochter in diesem Schuljahr eingeschult wurde, berichtet mir folgendes: Vor Beginn der Einschulung lief in der Kleinkindzeit alles nach Plan, auch im Kindergarten gab es keine Probleme, meine Tochter zeigte sich sozial angepasst, hatte ein gutes Vorwissen und war wunderbar neugierig, auf vieles um sie herum. Ich rechnete damit, dass dies in der Schule so weitergeht. Inzwischen - nachdem fast ein halbes Schuljahr vorüber ist und nach dem ersten Elternsprechtag - ist mir bestätigt worden, dass meine Tochter zu langsam ist, zu wenig Aufgaben in der Stunde bearbeitet. Wenn Sie am Nachmittag ihre Hausaufgaben erledigen soll, fängt sie an zu schimpfen, dass Schule blöd ist, und hat während der Erledigung der Hausaufgaben ständig irgendwelche langen Geschichten zu erzählen, so dass wir inzwischen fast zwei Stunden täglich an den Hausaufgaben sitzen, was mich tierisch nervt. Sie tut mir so leid, weil sie ja eigentlich in einer halben Stunde fertig sein könnte und dann nicht so lange spielen kann, wie sie eigentlich möchte und sollte. Aber alles Antreiben, die Erzählungen abbrechen, ihr sagen, dass sie schneller machen soll, helfen nichts. Was wird denn, wenn Sie erst mal in höhere Klassen kommt oder in weiterführende Schulen? Ich bin ziemlich verzweifelt.

Wir haben inzwischen einen Hausaufgabenplan ausgearbeitet, die Mutter hat ihn umgesetzt und mir am Ende der ersten und zweiten Woche berichtet:

Es klappt hervorragend. Sie braucht inzwischen nur noch 30 Minuten pro Tag. Stellen Sie sich vor, sie hat mich sogar am Abend gefragt: „Mama, machen wir Hausaufgaben, es hat heute so viel Spaß gemacht.“ Ich habe zuerst gedacht, ich hätte mich verhört, aber sie wollte es tatsächlich.

Ursachen für Fehlverhalten sind:

  • Fehlen von Regeln für die Hausaufgabenerledigung,
  • fehlende Struktur zur Hilfe für die selbständige Erledigung,
  • „Ignorieren“-Falle, die beinhaltet, dass die Eltern das Kind nicht beachten, wenn es sich gut benimmt und die Hausaufgaben zügig erledigt. Wenn angemessenes Verhalten als selbstverständlich betrachtet wird und nicht aktiv verstärkt wird, wird es zukünftig seltener auftreten und mit großer Wahrscheinlichkeit durch Fehlverhalten ersetzt werden, für das das Kind viel Aufmerksamkeit erhält (hier lange Geschichten erzählen, Theater machen, bevor die Hausaufgaben angefangen werden).
    Ein Grundprinzip der Positiven Erziehung ist das Loben und Belohnen von Verhaltensweisen, die man gerne häufiger sehen würde. Kinder freuen sich über die Aufmerksamkeit und das Lob der Erwachsenen. Sie wissen jetzt, was die Eltern mögen, was sie tun sollen und werden es bei einer guten Beziehung zu den Eltern gerne wieder tun.
  • angemessenes Verhalten als selbstverständlich betrachtet wird und nicht
    Fallbeispiel 2:
    Eine Mutter berichtet von ihrem Sohn, der in der zweiten Klasse ist und folgende Probleme bei den Hausaufgaben hat: Wenn die Mutter ihn von der Schule abholt, beginnt er bereits im Auto lautstark über die Schule zu schimpfen, über die Lehrerin, wie gemein sie ist, ihm heute wieder Hausaufgaben zu geben, und damit seine wertvolle Spielzeit zu stehlen. Auch die Mutter sei gemein, dass sie es zulassen würde, dass er so gequält werde, sie könne ihn unmöglich lieb haben, denn sonst würde sie es nicht zulassen, dass er sein Leben mit Hausaufgaben verderben muss. Er beginne zu weinen und endlos zu lamentieren, oft bräuchten sie eine Stunde, bevor er endlich mit den Hausaufgaben beginne. Auch während der Erledigung der Hausaufgaben halte dieses Verhalten an. Entsprechend schlecht seien inzwischen die Rechtschreibleistungen ihres Kindes. Alles Argumentieren, Schimpfen, auf ihn eingehen, ihm Sachen hinterher zu versprechen, haben nichts bewirkt. Es wird im Gegenteil immer unerträglicher, so dass sie sich insbesondere nach guten Tagen in den Ferien besonders vor dem Beginn der Schulzeit fürchte.

Die Kommentare der Mutter waren bei einer von mir durchgeführten häuslichen Beobachtung von ständigen negativen Rückmeldungen geprägt: „Das schreibt man doch mit zwei mm.. also jetzt streng dich doch mal an, das ist schon wieder falsch.. schon mal was von Großschreibung gehört…wie sehen die Buchstaben denn aus, das kann kein Schwein lesen…ich glaub ich krieg die Krise, so blöd kann man doch sein…du hast sie wohl nicht alle, was soll das denn sein…du willst mich absichtlich ärgern.. usw.

Auch hier zeigten sie die Auswirkungen des Hausaufgabenplans in kurzer Zeit, die Erledigung der Hausaufgaben verkürzte sich auf 30 Minuten pro Tag.

Ursachen:
Hier war ganz besonders die "Kritik-Falle" eine herausragende, wenn auch nicht alleinige Ursache. Die Kritik-Falle bezeichnet einen Teufelskreis von häufigen und unnötigen Machtkämpfen mit dem Kind, welche typischerweise dazu führen, dass Eltern auf Problemverhalten mit eskalierender Kritik reagieren (Robert, lass jetzt endlich dein blödes Gejammer und fang an … durch Jammern wird es auch nicht besser), mit Drohungen (Wenn du jetzt nicht anfängst, kannst du was erleben… oder… wenn du wüsstest, wie sehr du mir auf die Nerven gehst, ich könnte dich schütteln bis du zur Vernunft kommst..) Anschreien und schließlich Schlägen. Diese Art der Erziehung geht nach hinten los, weil der schnell aufkeimende elterliche Ärger zu Rachegefühlen und zusätzlicher Feindseligkeit zwischen Eltern und Kind führt. Wenn diese Art von Machtkämpfen häufig auftritt, ist es an der Zeit, etwas Neues auszuprobieren, um mit der Situation fertig zu werden.
Hier wird das Kind als Person abgewertet, anstatt das Verhalten gerügt. So ist keine Verhaltensänderung möglich.

Fallbeispiel 3:
Die Mutter berichtet mir folgende Probleme, die bei den Hausaufgaben mit ihrem Erstklässler auftreten: Ihr Kind habe eine furchtbare Schrift, sie müsse ständig radieren, das Kind habe so wenig Lust, Hausaufgaben zu machen, es sitze nicht ordentlich am Tisch, es würde zu wenig schreiben und zu langsam, es brauche viel zu lange etc…Sie zerreißt ihm das in ihren Augen nicht perfekt geschriebene Blatt und zwingt es mehrmals erneut anzufangen.

Ursache: Perfekte-Kinder-Falle
Die Perfekte-Kinder-Falle ist die Folge des menschlichen Bedürfnisses, nicht nur kompetente sondern perfekte Kinder haben zu wollen. Es gibt keine perfekten Kinder, und wenn man danach strebt, wird dies zu Enttäuschungen, Ärger, Schuldgefühlen und Gefühlen der Unzulänglichkeit führen. Wichtiger ist es zu erkennen, dass zum Kindsein sowohl gelernte Fertigkeiten als auch eine stabile, liebevolle Beziehung zwischen Menschen gehören.

Fallbeispiel 4:
Die Hausaufgaben haben sich für den neunjährigen Mario und seine Mutter zu einer täglichen Krisensituation entwickelt. Es vergeht kaum ein Tag ohne Konflikte. Eigentlich soll Mario seine Hausaufgaben gleich nach dem Mittagessen erledigen; er zögert den Beginn aber stets hinaus und verhandelt mit seiner Mutter um jede Viertelstunde Aufschub. Wenn er endlich angefangen hat, unterbricht er die Arbeit immer wieder, will etwas trinken, sucht seinen Radiergummi oder blättert in einem Comic-Heft. Seine Mutter ermahnt ihn und passt auf, dass er dabei bleibt. Aber auch dann ist Marios Vorgehen häufig Anlass für Zurechtweisungen ihrerseits. Er lässt sich nur wenig Zeit, um die Arbeitsanweisungen zu verstehen, und probiert stattdessen sehr rasch einen Lösungsweg aus. Ist er damit nicht erfolgreich, wechselt er vorerst zu einem anderen Fach. Auch die einzelnen Teile einer Aufgabe löst er häufig nicht der Reihe nach. So kommt er sehr rasch durcheinander und macht infolgedessen viele Fehler. Wenn seine Mutter ihn auf einen Fehler hinweist, ist er sehr schnell entmutigt, wirft das Heft auf den Boden und bricht in Tränen aus. Ihre Versuche, ihn dann zur Weiterarbeit zu überreden enden häufig im Streit. Insgesamt zieht sich die Erledigung der Hausaufgaben über den gesamten Nachmittag hin.

Ursachen:
Inkonsequentes Verhalten (Unterbrechungen, Verhandlungen, Zurechtweisungen unterschiedlich vorgetragen)

Wenn Eltern in ihrer Erziehung konsequent sind, lernen Kinder, selbst Verantwortung für Handeln zu übernehmen, die Bedürfnisse anderer zu erkennen und Selbstdisziplin zu entwickeln. Kinder werden geringerer Wahrscheinlichkeit Verhaltensauffälligkeiten entwickeln, wenn ihre Eltern konstant und vorhersehbar reagieren.
Konsequent sein bedeutet, konstant (d.h. in jedem Fall) und sofort auf unangemessenes Verhalten zu reagieren und dem Kind zu vermitteln, was es statt dessen tun soll. Versucht Ihr Kind, Sie zu provozieren, sollten Sie ruhig bleiben und Schimpfwörter, Abwertungen der Person des Kindes, Drohungen, Herumschreien und Schläge vermeiden. So können Sie das Selbstwertgefühl Ihres Kindes wahren, gleichzeitig aber angemessenes Verhalten erreichen.

Furcht vor Misserfolg
Ein Kind, das mit seinen Lösungsvorschlägen keinen Erfolg hat wird mit der Zeit versuchen, die Erledigung der Hausaufgaben zu vermeiden. In dieser Situation braucht das Kind Hilfe zur Verbesserung seiner Problemlösestrategien. Diese Strategien werden Eltern nicht immer kennen, weswegen die Zusammenarbeit mit der Schule, d.h. dem Lehrpersonal außerordentlich wichtig ist.

Überforderung/Unterforderung bei der Bearbeitung des Lernstoffes
Erwarten Sie nicht zu viel. Die Erwartungen von Eltern an ihre Kinder richten sich danach, was sie für ein bestimmtes Alter für normal halten. Dabei sollten sie jedoch nicht vergessen, dass Kinder Individuen sind, die sich unterschiedlich schnell entwickeln – und dies ist auch für Lehrer/innen wichtig – unterschiedlich gut mit dem Lernverhalten fertig werden. Kinder müssen einen gewissen Entwicklungsstand und Wissensstand erreicht haben, bevor sie etwas Neues lernen können, wie z.B. das selbständige Anziehen oder Essen und das Zusammenzählen oder Abziehen von Zahlen etc. Hier kann die professionelle Hilfe oft einen Schritt nach vorne bewirken.
Probleme können auftreten, wenn Eltern oder Lehrer/innen zu früh zu viel erwarten oder wenn sie glauben, das Kind müsse perfekt sein. Wenn Eltern beispielsweise verlangen, dass ihre Kinder immer höflich, fröhlich und hilfsbereit sind, oder Lehrer verlangen, dass Kinder immer aufpassen, sich aktiv im Unterricht beteiligen und eine gestochen schöne Schrift haben kann dies zu Enttäuschungen und Konflikten führen.

Nachdem wir nun einige Ursachen für Probleme bei den Hausaufgaben näher betrachtet haben, werden Sie sich zurecht fragen,

Was soll ich tun?
Darum geht es jetzt im zweiten Teil, nämlich um konkrete Vorschläge, wie man mit Kindern Hausaufgaben machen könnte.

Einige Ursachen für Fehlverhalten während der Hausaufgaben

  • Es fehlen Regeln für das Erledigen der Hausaufgaben
  • Viele Kinder brauchen Hilfe zur selbständigen Bearbeitung der Hausaufgaben
  • "Ignorieren-Falle"
  • Anstelle des erwünschten Verhaltens wird das Fehlverhalten verstärkt.
  • "Kritik-Falle"
  • Unnötige Machtkämpfe führen zu Eskalationen
  • "Perfekte-Kinder-Falle"
  • Inkonsequentes Verhalten
  • Furcht vor Misserfolg
  • Erwarten Sie nicht zu viel! Über- oder Unterforderung bei der Bearbeitung des Lernstoffes

Zusammenfassung: Hausaufgaben: Was tun?

1. Geeignete Ausgangsbedingungen:

  • Material vor Arbeitsbeginn herrichten
  • Einrichtung fester Rituale
  • Einführung eines Hausaufgabenheftes
  • Unterteilung der gesamten Aufgaben in einzelne Abschnitte
  • Vereinbarung zeitlich umgrenzter Pausen

2. Handlungserleichternde Hilfen:

  • Tipps für unterstützendes Lernen (Problemlösestrategien / Strukturen vorgeben / beiläufiges Lernen als Fragestrategie
  • Angemessenes Arbeitsverhalten verstärken
  • Hilfestellungen (Angebot der Schule)

3. Hausaufgaben mit Verstärkersystem:

  • Aufteilung der Hausaufgaben in Untereinheiten
  • Formulierung realistischer Ziele bezüglich der Bearbeitungsdauer
  • Gemeinsame Vorbesprechung
  • Aufgabenbearbeitung in Unterteilen
  • Bewertung
  • Weitere Hausaufgaben
  • Einlösung der Wertpunkte

Hausaufgaben: Was tun?

1. Schaffung geeigneter Ausgangsbedingungen (Verhaltensanleitungen)

Material vor Arbeitsbeginn herrichten
Die Eltern sollten sicherstellen, dass alle benötigten Materialien vorhanden und einem einsatzfähigen Zustand sind (der Bleistift gespitzt, das Radiergummi liegt griffbereit usw.) während andere, möglicherweise ablenkende Gegenstände (z.B. momentan nicht benötigte Schulbücher) vom Arbeitsplatz entfernt werden. Ein solcher Material-Check soll zunehmend in die Verantwortung des Kindes übergehen.

Einrichtung fester Rituale
Wenn das Kind seine Hausaufgaben immer an demselben Arbeitsplatz erledigt und sich nicht dort aufhält, um andere Dinge zu tun (etwa: am Schreibtisch weder malt noch Comis liest) erhält dieser eine Signalwirkung für die Hausaufgabenerledigung. Dasselbe gilt für eine bestimmte Uhrzeit oder einen bestimmten Tagesablauf (z.B. immer nach dem Mittagessen).

Einführung eines Hausaufgabenheftes
Vielfach werden Schwierigkeiten lernbeeinträchtigter Kinder durch festes Vermeidungsverhalten von Lern- und Leistungssituationen erschwert. Dazu zählt häufig das Verschweigen von Hausaufgaben gegenüber den Eltern oder Betreuern. Zur Lösung dieses Problems wird mit dem Kind vereinbart, jede Aufgabe in einem Hausaufgabenheft zu notieren und vom betreffenden Lehrer nach der Unterrichtsstunde abzeichnen zu lassen. Auch die Tatsache, dass in einem Fach keine Hausaufgaben aufgegeben wurden, ist ausdrücklich zu vermerken und zu bestätigen. Dem Kind wird dabei die Aufgabe übertragen, die Unterschrift des jeweiligen Fachlehrers einzuholen. Zunächst sollte diese Maßnahme unbedingt durch ein Belohnungssystem unterstütz werden.

Unterteilung der gesamten Aufgaben in einzelne Abschnitte
Als Strukturierungshilfe hat es sich vor allem bewährt, die gesamten Arbeitsabläufe eines Tages in einzelne Abschnitte zu unterteilen. So wird eine bessere Überschaubarkeit der Aufgaben erreicht und das nächste Ziel rückt näher, was sich günstig auf die Motivation des Kindes auswirkt.

Vereinbarung zeitlich umgrenzter Pausen
Pausen erfolgen häufig unkontrolliert und werden von dem Kind nach Kräften ausgedehnt. Diesem Problem sollten die Eltern und Betreuer entgegentreten, indem sie bereits zu Beginn der Hausaufgabenerledigung zeitlich begrenzte Pausen nach fest vereinbarten Zeitabschnitten vorschlagen. Während der Erholungspause erhält das Kind die Gelegenheit, anderen Tätigkeiten (etwas erzählen, trinken, sich mit einem Gymnastikball beschäftigen) nachzugehen. Ein solches Vorgehen hat den Vorteil, dass dem Kind der Arbeitsbeginn angesichts einer überschaubaren Zeitspanne leichter fällt. Zudem können Tätigkeiten, die der Unterbrechung des Arbeitsverhaltens dienen, auf die Pause gelenkt werden (Oh, das interssiert mich sehr, erzähl mir das doch in der Plapperpause). Wesentlich ist, dass in der Pause keine Aktivitäten zugelassen werden, die über den vereinbarten zeitlichen Rahmen hinausgehen und deren Unterbrechung für das Kind als Strafreiz wirkt (etwa ein länger dauerndes Spiel beginnen, fernsehen usw.)

2. Handlungserleichternde Hilfen
Die Hausaufgabenbetreuung sollte sich nicht ausschließlich auf eine Verhaltensanleitung beziehen, sondern auch lösungserleichternde Hilfen beinhalten.

Handlungssteuernde Hilfen
Wenn die Aufgabenbearbeitung ungeordnet verläuft. Lösungsansätze nicht aus den zur Verfügung stehenden Informationen abgeleitet, sondern spontan erprobt und wieder verworfen werden. Dazu sollten Eltern die Lösungen strukturieren, ohne aber die Antworten bereits vorzugeben. Beispiele dafür sind Hilfen der Zielbestimmung (Was sollst du denn genau herausfinden? Welche Angaben hast du schon? Ja gut, was fehlt noch? Oder bei der Entwicklung eines Lösungsplans (Wie bist du denn eben vorgegangen? Genau und was ist jetzt anders?

Angemessenes Arbeitsverhalten verstärken
Falls bereits Ansätze angemessenen Arbeitsverhaltens zu beobachten sind (z.B. das Kind benutzt gelegentlich, aber noch nicht regelmäßig Zeigehilfen) werden diese durch Lob und Zuwendung verstärkt. Ein Verhalten tritt eher wieder auf, wenn es gelobt und anerkannt wird.

Sich-Zeigen-Lassen
Wer Probleme bei den Hausaufgaben hat, kann sich hier in der Schule einen Termin (freitags 12.00 Uhr bis 13.00 Uhr nach telefonischer Voranmeldung) geben lassen und diese Strategien mit mir in Einzeltraining oder Gruppentraining in 2 Sitzungen zu je 90 Minuten einüben.

3. Hausaufgaben im Rahmen eines Verstärkersystems
Das Vorgehen zeichnet sich dadurch aus, dass die Kinder die (zeitlichen) Ziele aktiv mitbestimmen, ihre Leistungen selbst bewerten, zeitnahe Rückmeldung bzgl. Ihrer Arbeitsergebnisse erhalten und für die Erreichung der klar bestimmten Ziele ständig verstärkt werden. Folgendes Vorgehen wird angeraten:

Aufteilung der Hausaufgaben in Untereinheiten
Auf der Grundlage des Hausaufgabenheftes gehen die Eltern gemeinsam mit dem Kind alle an dem jeweiligen Tag anliegenden Aufgaben durch und teilen diese in Teilabschnitte.

Formulierung realistischer Ziele bezüglich der Bearbeitungsdauer
Die Eltern und das Kind einigen sich für jede Untereinheit auf eine realistische Bearbeitungsdauer. Der Zeitrahmen wird so gewählt, dass einerseits kein Spielraum für aufgabenirrelevantes Verhalten entsteht, das Kind andererseits aber auch nicht überhastet arbeiten muss, um die Zielvorgabe einzuhalten.

Gemeinsame Vorbesprechung
Vor der eigenständigen Arbeitsphase des Kindes müssen Bedingungen geschaffen werden, die eine hohe Erfolgswahrscheinlichkeit sicher stellen. Das Kind sollte die Aufgabenstellung verstanden haben und Lösungsmöglichkeiten erkennen. Hierbei benötigen manche Kinder Unterstützung, die darin bestehen kann, dass Eltern geeignetes Verhalten vormachen.

Aufgabenbearbeitung in Unterteilen
Das Kind beginnt nun mit der selbständigen Bearbeitung der ersten Untereinheit. Dabei bleibt die Mutter/der Vater in der Nähe, um aufgabenbezogenes Arbeitsverhalten mit Worten zu verstärken, greift aber während dieser kurzen Untereinheit nicht in den Arbeitsprozess ein. Zunächst können die einzelnen Abschnitte, in denen ein Kind arbeitet, noch eng umgrenzt sein (z.B. 10 min) längerfristig dient dieses Vorgehen jedoch einer schrittweisen Annäherung an selbständiges Arbeiten.

Bewertung
Nach der Beendigung einer Untereinheit wird die benötigte Arbeitszeit auf einem Protokollbogen vermerkt. Sodann setzen sich der Elternteil und das Kind erneut zusammen, um Fragen oder notwendige Verbesserungen zu besprechen. Schließlich bewerten beide die Qualität der Ausführung auf einer notenähnlichen Skala von 1 bis 5, begründen und besprechen ihre Bewertungen. Wenn Übereinstimmung besteht, dass ein Ergebnis mindestens als ausreichend beurteilt werden kann, erhält das Kind einen Verstärker (Smili) für die Qualität der Ausführung. Ein weitere Verstärker wird für die Einhaltung der Zeitspanne vergeben, falls die Ausführung den Mindestansprüchen genügt.

Weitere Hausaufgaben
In derselben Weise verfährt man nun mit allen weiteren Untereinheiten der Hausaufgaben. Bei zusätzlichen Verhaltensproblemen (z.B. nur unter lautem Schimpfen beginnen, die Hausaufgabenbearbeitung wiederholt unterbrechen) können Sonderpunkte eingeplant werden, die das Ausbleiben dieser Verhaltensweise erhält (positiv formulieren!!)

Einlösung von Wertpunkten
Am Ende der Hausaufgabenbearbeitung werden alle vergebenen Punkte zusammengezählt und in einen Protokollbogen eingetragen, der etwa eine Woche umfassen sollte. Hat das Kind am Ende der Woche eine bestimmte Punktezahl erreicht, so folgt möglichst umgehend der Eintausch in einer vorher vereinbarte soziale Belohnung (z.B. mit Mami Kuchen backen, mit Papi Fußballspielen, einen Zoobesuch etc.) Bereits erarbeitete Punkte verfallen jedoch nicht, sondern werden in den Plan der nächsten Woche übertragen.

 

Wozu Hausaufgaben?

  • Erleben von Selbstverantwortlichkeit und Förderung des Selbstwertgefühls
  • Förderung von Gesprächsfähigkeiten
  • Förderung der Selbstdisziplin durch Übernahme von notwendigen Pflichten
  • Einüben von Grundfähigkeiten und Grundfertigkeiten


Die Kinder können ihr Wissen flexibel anpassen und das Gelernte auf neue Probleme übertragen, z.B. auf andere Fächer, auf Probleme innerhalb und außerhalb der Familie.

Das selbständige Lernen muss erst gelernt werden, weshalb neu eingeschulte Kinder möglicherweise mehr Unterstützung brauchen, als Schüler, die schon eine Weile in der Schule sind.

Das selbständige Lernen hat seine Grenzen dort, wo Kinder mit dem Lernstoff überfordert sind. Wenn Sie den Eindruck haben, mein Kind kann das noch nicht, ist die Rücksprache mit dem Lehrpersonal unbedingt geboten.

2. Förderung der Gesprächsfähigkeiten

Über die Hausaufgaben zu sprechen, während der Bearbeitung die richtigen Ausdrücke und Begriffe auszusprechen und zu speichern, fremde Wörter oder unbekannte Wörter deutlich und richtig auszusprechen und deren Inhalte und Lebenszusammenhänge zu erfragen sind wichtige Sprechakte für die soziale und sprachliche Bildung unserer Kinder.

Nebenbei eröffnet dies, wie mir eine Kollegin verriet, auch die Möglichkeit über Dinge, die in der Schule passieren, mit den Kindern ins Gespräch zu kommen, was sonst vielleicht nicht so einfach geht.

3. Förderung der Selbstdisziplin durch Übernahme von notwendigen Pflichten

(siehe Extrablatt schulgesetzgeberische Vorgaben)

Wenn Kinder regelmäßig für bestimmte Aufgaben verantwortlich sind, lernen sie dadurch Selbstdisziplin, wie man Aufgaben bewältigt und dass man durch zusätzliche Arbeiten sicheres, geübtes Wissen erwerben kann. Dies fängt in der Familie bei der Mitarbeit im Haushalt an. Grundschulkinder können durchaus einige Aufgaben selbständig durchführen. Sie können z.B. Geschirr spülen, ihr Zimmer aufräumen, Staubsaugen oder etwas im Garten arbeiten.

Gewöhnen sich Kinder frühzeitig an Pflichten , lernen sie, dass auch langweilige, lästige, Aufgaben erledigt werden müssen und dies ganz normal zum Leben gehört.

Einüben von Grundfähigkeiten und Grundfertigkeiten

Hausaufgaben erstrecken sich nicht nur auf die Aufgaben, die die Schule stellt sondern auch auf das Einüben und Wiederholen von Grundfähigkeiten und Grundfertigkeiten.

Dazu gehört das Erlernen des 1x1, Auswendiglernen von Gedichten, Pauken von Vokabeln, Wissen von Maßen der Sachaufgaben (Längen-, Gewichts- und Hohlmaße) etc. Hausgaben helfen den Eltern zu wissen, welche Grundfertigkeiten entwickelt sind und dass es jetzt an der zeit ist, diese zuhause gründlich spielerisch oder durch stures Pauken zu vertiefen.

Grundschule am Wiesengrund, März 2007
Rolf Garbin, Dipl. Päd.
Lizenzierter Triple P Trainer für
Einzelberatung und Gruppentraining

Literaturangaben:

  • Matthew R. Sanders: Das Triple P Gruppenarbeitsbuch, Münster 1999
  • Kerstin Naumann: Anleitung von Eltern und Erziehern zur Hausaufgabenbetreuung in Gerhard W. Lauth u.a. (Hrg) Interventionen bei Lernstörungen Göttingen 2004

oben - Startseite