Elterntipps:
Thema: Geschwisterstreit
Mögliche Ursachen:
  • Privatsphäre missachten
  • Eifersucht
  • Konkurrenz
  • Langeweile
  • Eltern als Schiedsrichter
  • Stress

Was tun?

  • rücksichtsvolles Verhalten
  • klare Regeln
  • Anerkennung
  • schnell eingreifen
  • ruhig bleiben
  • keine Diskussion
  • Beruhigungspause
  • Nachbesprechung

Geschwisterstreit

Tipps für Eltern:
Martin Herbert: Die ewigen Streitereien - Wie man Aggressivität in der Familie vermeidet

Geben Sie Ihrem Kind Gelegenheit sich zu beruhigen
Was wir aus Forschungen über das Problem der Aggression heute wissen, lässt darauf schließen, dass Tadel bei großer Wut eine Spirale aus Frustration, Groll, Wut, Aggression und Gegenaggression auslöst. Argumente sind zwecklos, wenn sich ein Kind mitten in einem Wutanfall befindet. Kehren Sie dem Wutanfall den Rücken, oder gehen Sie aus dem Zimmer. Wenn Ihr Kind sich beruhigt hat, sollten Sie im sagen, warum sein Verhalten unannehmbar war.

Halten Sie es so sanft wie möglich zurück
Sie können es sich nicht immer leisten, die Aggression eines Kindes zu übersehen. Legen Sie Ihre Arme fest um seinen Körper, damit es nicht um sich schlagen kann. (Dies nennt man passives Zurückhalten).

Vermindern Sie ständige Kritik und ähnliches
Es ist wichtig, dass Sie die Umstände zu ändern versuchen, die das aggressive Verhalten Ihres Kindes auslösen. Oft entspringt es Frustrations-, Verlust- oder Provokationserlebnissen, die andere Menschen oder die Lebensumstände verursacht haben. Zugegeben, hier etwas zu ändern ist leichter gesagt als getan.

Vermindern Sie Auslöser oder Signale, die zu aggressivem Verhalten führen können
Wenn kein Erwachsener anwesend ist, kann dies für ein Kind ein Signal sein, ein anderes zu schlagen. Beispielsweise kommt es so an das Spielzeug des anderen Kindes, oder es schlägt zu, weil es ihm Spaß macht. Eine besser organisierte Aufsicht auf Spielplätzen oder zu Hause wäre eine mögliche Lösung für dieses Problem.

Setzen Sie Ihr Kind keinen aggressiven Vorbildern aus
Wenn Ihre Tochter oder Ihr Sohn regelmäßig mit einem bekanntermaßen gewalttätigen Kind zusammenkommt, das ein Vorbild für aggressives Verhalten ist, sollten Sie diese Beziehung so bald als möglich für beendet erklären. Prüfen Sie sich: Ist es möglich, dass auch bei Ihnen eine feindselige Haltung und aggressive Handlungen vorkommen?

Geben Sie Ihrem Kind Vorbilder für gewaltfreies Verhalten
Sie können annehmbares Verhalten fördern, indem Sie Ihr Kind mit Gleichaltrigen zusammenbringen, die sich friedlich verhalten. Dies ist besonders dann wirkungsvoll, wenn es sieht, dass andere Mädchen und Jungen für derartige Taten belohnt werden. Damit ein Kind neue Verhaltensmuster lernen kann, sollte es beobachten können, wie eine andere Person die erwünschten Handlungen ausführt. Dies nennt man Lernen am Modell und lässt sich in folgenden Situationen nutzbringend einsetzen:

  • Das Kind eignet sich vom Vorbild - einer ihm wichtigen Person - neue Verhaltensmuster an wie soziale Kompetenz oder Selbstbeherrschung, die es zuvor nie gezeigt hat.
  • Die Reaktionen, die bereits zum Repertoire Ihres Kindes gehören, werden gefördert oder verringert, indem das angemessene Verhalten vorgeführt wird.

Fertigkeitstraining
Vielen Kindern mangelt es an Fertigkeiten, die nötig sind, um auf befriedigende Art und Weise in unserer Gesellschaft zu funktionieren. So können sie auf viele verschiedene Frustrationen und Demütigungen aggressiv reagieren. Wenn man solchen Mädchen und Jungen hilft, kompetenter zu werden, wenden sie mit hoher Wahrscheinlichkeit weniger oft Gewalt an. Beispielsweise können Sie Ihrem Kind beibringen, sich besser zu behaupten. So lernt es, seine Rechte auf kluge und selbstbewusste Weise zu verteidigen, ohne jene der anderen durch Aggression oder Vernachlässigung zu verletzen.

Belohnen Sie friedliches Verhalten, und bestrafen Sie aggressive Handlungen
Einige Eltern sorgen dafür, dass sich unerwünschtes Verhalten nicht lohnt, wie folgendes Beispiel zeigt.

  • Vorangegangenes Ereignis: Sebastian möchte in den Park gehen. Sein Vater sagt vor dem Abendessen sei dazu keine Zeit.
  • Verhalten: Sebastian tritt und schreit, wirft sich zu Boden und brüllt.
  • Konsequenzen: Der Vater schenkt seinem Wutanfall keine Beachtung. Schließlich beruhigt sich Sebastian und spielt.

Hätte der Vater auf den Wutanfall reagiert, hätte er erreicht, dass sich das unerwünschte Verhalten (die Aggression) für Sebastian lohnt. Dieses wäre in Zukunft wohl weiterhin vorgekommen.

Genauso wie verstärktes (belohntes) Verhalten in der Regel wiederkehrt, hört dasjenige auf, welche nicht verstärkt, im Gegenteil vielleicht sogar bestraft wird, meist auf. Mit Belohnungen meinen wir keine teuren Gegenstände, und Strafen bedeuten keineswegs körperliche, drastische oder schmerzliche Maßnahmen. Wir möchten Kindern erkennen helfen, dass bestimmte Verhaltensweisen erwünschte Folgen nach sich ziehen (wie Lob, Anerkennung, Wertschätzung, Vergnügungen, Privilegien), während andere dies nicht tun.

Logische Konsequenzen
Wenn Sie gewährleisten, dass Ihr Kind die Folgen seiner eigenen Taten innerhalb sicherer Grenzen erfahren kann, wird dies ein wirkungsvolles Mittel der Verhaltensverbesserung. Macht Ihr Kind beispielsweise willentlich eigene Spielsachen kaputt, lernt es eher, dazu Sorge zu tragen, wenn es fortan ohne sie auskommen muss. Wenn ihm das Spielzeug immer wieder ersetzt wird, dann hört es mit seinem zerstörerischen Verhalten wohl nie auf.

Unglücklicherweise erfahren Kinder die Konsequenzen ihres Fehlverhaltens häufig nicht. Gegen ihr eigenes Interesse und das ihrer Kinder intervenieren Eltern, um ihre Kinder vor der Realität zu bewahren. Diese Art der Rücksichtnahme führt allerdings dazu, dass dem Kind die Auswirkungen einer Situation meist nicht bewusst werden und es dieselben Missetaten immer und immer wieder begeht. Darüber muss eingehend diskutiert werden. Wo liegt die Grenze, bei der man eingreifen muss, um ein Kind vor den unvermeidlichen Risiken des Lebens zu schützen? Inwieweit sollte Ihr Kind aus seinen Erfahrungen lernen dürfen - auf schmerzliche Weise?

Selbstbeherrschungstraining
Es gibt Techniken, welche die Selbstkontrolle fördern. Mit diesem Training wird sich Ihr Kind der Umstände bewusst, in denen es wütend wird; anschließend durchläuft es eine Reihe von Phasen. Zu Anfang werden Sie die Erledigung einer Aufgabe vorführen, indem Sie sich hörbar angemessene und positive Selbstinstruktionen geben, beispielsweise "Erst denken, dann handeln"; "das ist wirklich nicht wert, dass ich wütend werde"; "ich zähle bis zehn und bleibe ruhig". Dann übt Ihr Kind dasselbe Verhalten ein, erst spricht es die Selbstanweisungen laut aus, dann flüstert es sie, schließlich sagt es sie unhörbar zu sich selbst. Kinder werden ermutigt, diese Selbstinstruktionen zu verwenden, damit sie angemessenes Verhalten bei sich selbst beobachten, prüfen und verstärken können.

Auszeit
Kinder brauchen manchmal Zeit, um ihre Selbstkontrolle zu aktivieren. Sie benötigen einen Moment, da sie über ihr aggressives Verhalten nachdenken können und darüber, wie unsinnig es ist. Erklären Sie ihm, dass es andere dadurch unglücklich macht, nicht zuletzt auch sich selbst. Beispielsweise ist es mitunter notwendig, Ihr Kind aus einer Gruppe zu entfernen (indem Sie es zusehen, aber nicht teilnehmen lassen), wenn es darauf besteht, Spielverderber zu sein. Andere Methoden können eingesetzt werden, um störendes Verhalten zu unterbinden. Nichts beendet eine Szene so wirkungsvoll wie die Entfernung des dafür verantwortlichen Kindes von seinem Publikum. Diese alte und erprobte Methode - die Entfernung aus dem Bereich positiver Verstärkung - nennen wir Auszeit.

Auszeit hat sich als nützliche Erziehungsmethode herausgestellt. Sie soll die Häufigkeit von Verhaltensweisen wie Aggression verringern, indem sichergestellt wird, dass das Kind wenig Gelegenheit erhält, dafür Verstärkungen oder Belohnungen einzustreichen. In der Praxis kann man unter zwei Formen der Auszeit wählen:

  • Aktivitäts-Auszeit: Dem Kind wird schlicht verboten, sich an einer angenehmen Aktivität zu beteiligen, es darf aber zuschauen. Beispielsweise untersagt man ihm, nachdem es ungezogen war, an einem Spiel teilzunehmen.
  • Zimmer-Auszeit: Das Kind wird von einer angenehmen Tätigkeit ausgeschlossen und darf nicht zusehen. Es wird aber nicht völlig isoliert, beispielsweise darf es in einer Auszeit-Ecke des Wohn- und Klassenzimmers sitzen, nachdem es sich schlecht aufgeführt hat.

Die Auszeit kann zwischen drei und fünf Minuten dauern. Sagen Sie Ihrem Kind im Voraus, welche seiner Handlungen als unangemessen angesehen werden und welche Konsequenzen diese haben.

Literaturangabe: Martin Herbert: Die ewigen Streitereien - Wie man Aggressivität in der Familie vermeidet,
Göttingen, 1999. ISBN 3-456-83171-4


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